O-Ton: Aus der Michael Kleff Research Collection

Jeden Monat gewähren wir einen Einblick in die „Michael Kleff Research Collection“: Der Musikjournalist Michael Kleff stellt hier besondere O-Töne aus seiner reichhaltigen Sammlung vor.

Oktober 2026: Mimi Fariña und Bread & Roses

Vor 25 Jahren verstarb die Sängerin und Aktivistin Mimi Fariña, die Schwester von Joan Baez. Mitte der Sechzigerjahre setzte sie gemeinsam mit ihrem Mann Richard neue Maßstäbe in der amerikanischen Folkmusik. Mit ihrem swingenden Folkrock etablierten die Fariñas eine ganz neue, eigenständige Musik. Nach nur zwei Alben fand die gemeinsame Karriere von Mimi und Richard Fariña jedoch ein jähes Ende. Am 30. April 1966, an dem die beiden sowohl ihren 21. Geburtstag wie das Erscheinen seines Roman-Debüts „Been Down So Long It Looks Like Up To Me“ feierten, starb Richard bei einem Motorradunfall.

Mimi Fariña machte zunächst weiter Musik. Sie schloss sich eine Zeitlang einem politischen Kabarett an, arbeitete in der Schule ihrer Schwester Joan Baez zum Studium der Gewaltlosigkeit mit. Frustriert von den kommerziellen Ansprüchen der Musikindustrie zog sie sich schließlich ganz vom Musikgeschäft zurück und gründete 1974 eine Organisation, mit der sie Musik zu Menschen brachte, die selbst nicht mehr ausgehen können oder dürfen – in Gefängnissen, Krankenhäusern und Altenheimen. Als Namen wählte sie „Bread and Roses“ in Erinnerung an das Engagement von Frauen, die Anfang des 20. Jahrhunderts an der Ostküste der USA zur Durchsetzung von Mindestlöhnen und Tarifverträgen sowie für die Anerkennung von Gewerkschaften auf die Straße gingen. Dabei trugen sie Banner mit der Aufschrift „Give us bread, but give us roses, too“ – also, „gebt uns Brot, aber auch Rosen“. Der Slogan geht auf einen Text des Poeten und Autors James Oppenheim zurück.

Mimi Fariña kritisierte, wie in geschlossenen Institutionen mit den Menschen umgegangen wurde. Und – Künstler*innen hätten Musik mehr und mehr nur noch wegen des Geldes und nicht mehr um der Musik willen gemacht. Mimi wollte die Möglichkeiten der Künstler*innen für etwas Sinnvolleres nutzen und so gleichzeitig den Menschen etwas Schönes anbieten.

Foto 01: Mimi Fariña und der wegen Mordes im Gefängnis von Soledad einsitzende Vickers bei einem Konzert von Bread & Roses im August 1987, © Michael Kleff
Foto 02: Scharf bewacht in Soledad – The Blue Meanies beim Gefängnis-Konzert im August 1987, © Michael Kleff

Ende der Achtzigerjahre knüpfte Mimi Fariña auch noch einmal für kurze Zeit an ihre eigene musikalische Karriere an und veröffentlichte ein Album. Bis zu ihrer Krebserkrankung Ende der Neunzigerjahre widmete sich Mimi Fariña dann aber wieder ganz ihrer Einrichtung Bread & Roses in Kalifornien. Noch zu ihren Lebzeiten konnte Mimi Fariña auf weit über 10.000 Veranstaltungen mit mehr als 3.000 Künstler*innen vor rund einer halben Million Menschen in Gefängnissen, Krankenhäusern und anderen Institutionen zurückblicken. Unterstützt von Größen der Musikszene von Herbie Hancock bis Ry Cooder, von Neil Young bis natürlich zu ihrer Schwester Joan Baez. Am 18. Juli 2001 verstarb sie zu Hause im Kreise ihrer Familie und enger Freund*innen.

Der Audio-Ausschnitt ist einem Interview mit Mimi Fariña entnommen, das Michael Kleff im Mai 1986 in Mill Valley, Kalifornien, dem damaligen Sitz von Bread & Roses mit ihr geführt hatte.


Joan Baez & Mimi Fariña – Bread & Roses
The Bread And Roses Festival Of Music – Greek Theatre, U.C. Berkeley – 5.-7.10.1979