Fundstück des Monats

Mai 2023: Regenhose mit Schlamm aus Lützerath

Unser Fundstück des Monats ist diesmal ein Objekt, das erst vor Kurzem seinen Weg zu uns gefunden hat und von dem gar nicht so richtig klar ist, wie oder wie lange wir es aufbewahren können. Die schlammbesprenkelte Regenhose kam am 14. Januar 2023 in Lützerath zum Einsatz. Neben „Alle Dörfer bleiben“ hatten ein Bündnis und viele Mitstreiter*innen aus Umwelt- und Klimabewegung zum Protest gegen die (da noch nicht durchgeführte, aber bereits beschlossene) Räumung von Lützerath und für den Kohleausstieg geladen. Das Wetter war dem Anlass entsprechend trübe, an vielen Stellen geriet die Großdemonstration zur Schlammschlacht. Gegen RWE und die politischen Beschlüsse kamen die teils jahreslangen Besetzungen in und um Lützerath, die zehntausenden Demonstrant*innen und die vielen weiteren Unterstützer*innen aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft nicht an: bald nach der Demo vom 14. Januar wurde Lützerath weggebaggert.


April 2023: Vegetarier-Lied

Unser Fundstück des Monats April ist das Vegetarier-Lied aus dem Jahr 1948 und entstammt dem Bestand des Vegetarierbunds Deutschland (VEBU, heute ProVeg), welcher derzeit erschlossen wird.

Wie ihre VorgängerInnen orientierten sich auch die VegetarierInnen der Nachkriegszeit an ethischen Glaubenssätzen wie Entsagung von irdischen Genüssen in Form von Tabak, Alkohol oder auch Tee. Auch wenn dies heute für uns nicht zwangsläufig unter die Definition der vegetarischen Lebensweise fällt, hatten die damaligen VegetarierInnen oftmals ein strengeres Verständnis.

Erwachsen aus der Lebensreform-Bewegung der Jahrhundertwende legten sie viel Wert auf biologische und unbehandelte Nahrung, Rohkost und eine naturnahe Lebensweise wie sie beispielsweise von Prießnitz und Kneipp gepriesen wurde. Nicht nur sollte die vegetarische Ernährung Tierleid und Krankheiten vorbeugen, sondern auch den Menschen an sich „veredeln“. Eine Nähe zu christlichen und esoterischen Ideologien lässt sich im Liedtext erkennen:

„Die reine Frischkost speisen wir: Gemüse, reife Früchte, die Gott lässt wachsen auf der Erd […] Qualm hassend lechzen wir nach Luft und Licht für Haut und Lungen. Durch Atmung, Sonne strömen sie in uns vom Weltall ohne Müh natürlich ungezwungen.“


Februar 2023: Spucki: Keine Jeck es illejal

Signatur: OBJ.2.347

Unser Fundstück des Monats ist der Spucki “keine jeck es illejal” in der närrischen Version des Logos der Kampagne Kein Mensch ist illegal, die sich in Köln seit 1997 für Geflüchtete einsetzt. Der Spucki aus den späten 1990er Jahren zeigt den schwarz-roten Stern mit Narrenkappe der Stunksitzung. Unter dem Motto “Keine Jeck es illejal” wird jedes Jahr zu Karneval für die antirassistische Arbeit Geld gesammelt: Feiern für den guten Zweck.
Die anarchische Narrenfreiheit ist letztlich älter als der offizielle Karneval (in Köln). Die preußische Besatzung wollte ihn vor 200 Jahren verbieten. Seitdem gibt es ein Festkomitee und den Rosenmontagszug, um das närrische Treiben in geregelte Bahnen zu lenken. Doch bis heute feiert das ‘Gemeine Volk’ auch in den Gassen und Spelunken.

In diesem Sinne: Helau & Alaaf!!


Januar 2023: Garzweiler II 1993/1996

afas-Signaturen: 75.II.1993:10 und 75.II.1996:4

Unsere beiden Fundstücke des Monats sind zwei Broschüren, die die Erweiterung des Rheinischen Braunkohlegebiets Garzweiler II vor und nach dessen Genehmigung kurz vor den Landtagswahlen in NRW im Mai 1995 behandeln.
Die erste Broschüre ist eine ausführliche Stellungnahme vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Naturschutzbund und der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt von März 1993. Im Kapitel zur Energiepolitik werden die offiziellen Berechnungsgrundlagen in Frage gestellt und die Gefahr für das Weltklima betont. Fazit dieses Kapitels: „Der Tagebau Garzweiler II ist energiepolitischer Unsinn“.
Die Broschüre von März 1996, ebenfalls von BUND und Naturschutzbund, trägt den vielsagenden Untertitel „Wie an der Schwelle zum 21. Jahrhundert ein Braunkohletagebau durchgesetzt werden soll.“
Die Genehmigung zur Erweiterung wurde schließlich 1997 erteilt und 2006 wurde begonnen, das Gebiet mit Schaufelradbaggern abzutragen.


Fundstücke des Jahres 2022

Januar 2022: Medico mental – das einzigartige Antirepressivum
März 2022: Sandwich-Umhang der Fraueninitiative 6. Oktober
April 2022: Aufkleber: Kein Nazi-Aufmarsch
Mai 2022: Plakat aus den Anfängen der Anti-AKW-Bewegung
Juni 2022: Flugblatt der Bürgerinitiative gegen Umweltgifte Duisburg-Nord
Juli 2022: Schriftstücke des Bochumer Weiberrats
August 2022: Comic Asterix und das Atomkraftwerk
September 2022: Lasst 1004 Türme blühen
Oktober 2022: Audio-Kassette mit Steve Biko-Interview
November 2022: Flugblatt zur Aktion Giroblau
Dezember 2022: Bürgertreff Räuber Hotzenplotz Info


Dezember 2022: Bürgertreff Räuber Hotzenplotz Info

afas-Sign.: 30.III.7

Unser Fundstück des Monats Dezember ist eine Kleinstpublikation, das Bürgertreff Räuber Hotzenplotz Info. Dieses lokale Sprachrohr aus den sozialen Bewegungen erschien von 1989 bis 1991 in Lemgo und beschäftigte sich u.a. mit der dortigen Hausbesetzung in der Gantengabel 13b, mit Atompolitik, Antifa und Anarchie. Alle Ausgaben sind liebevoll gestaltet, mit Zeichnungen und einer schönen (Hand-)Schrift von Andi Wolff, der später u.a. durch seine in der Zeitschrift Graswurzelrevolution abgedruckten Comics bekannter wurde. Der hier abgebildete „Andi-Comic“ skizziert das fröhlich-anarchistische Selbstverständnis und mobilisiert zum wöchentlichen Treffen der gleichnamigen Gruppe. Die Zeitschrift stammt aus dem Vorlass von Bernd Drücke, der 2019 dem afas übergeben und nun zum großen Teil in die afas-Datenbank eingearbeitet wurde.

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November 2022: Flugblatt zur Aktion Giroblau

aus: NLP.22:3

Unser Fundstück des Monats wurde Anfang der 1980er Jahre von Atomkraft-Gegner*innen aus Hamm in Umlauf gebracht: ein Flugblatt zur Aktion „Giroblau“. Es regt an, sich zahlreich an dieser legalen, aber wirksamen Methode zu beteiligen, die die EDV-Systeme der Stromkonzerne durch chaotische Stromzahlungen auszutricksen vermag. Durch Zahlung der Stromrechnung in bar mit Kleingeld, Überweisung mit unregelmäßigen Teilbeträgen oder kreative Angabe der Kundennummer (etwa in römischen Ziffern) werde der Aufwand für die Stromkonzerne bestenfalls so groß und teuer, dass sie – so geschehen in den Niederlanden – der Forderung der Anti-AKW-Aktivist*innen nachgeben und den Atomstrom absetzen, um endlich Ruhe zu haben. Die Aktion wurde in Deutschland von verschiedenen Gruppen propagiert, u.a. auch von Robin Wood, die ihrerseits mit „Giroblau“ gegen die Luftverschmutzung durch Stromkraftwerke protestieren wollten. Ob Giroblau den gewünschten Erfolg hatte und den einen oder anderen Stromkonzern zum Handeln zwang, ist nicht bekannt.

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Oktober 2022: Audio-Kassette mit Steve Biko-Interview

afas-Signatur: AVM.AAB.1.4

Unser Fundstück des Monats Oktober ist eine Kassette, die mit der Übernahme der Geschäftsstelle der Anti-Apartheid-Bewegung Einzug ins afas gehalten hat und vor kurzem zu neuem Ruhm gekommen ist.
Zufällig haben wir auf der Seite des Bayerischen Rundfunks (BR) den Recherche-Bericht einer Dokumentarin gelesen, die derzeit damit befasst ist, alte Aufnahmen des BR zu sichten. Dabei stolperte sie über den Nebensatz in einem Nachrichten-Beitrag von 1988, dass im BR die einzigen authentischen Filmaufnahmen von Steve Biko vorliegen sollen. Biko war südafrikanischer Bürgerrechtler und kämpfte gegen die Apartheid. Heute gilt er als einer der Wegbereiter des Black-Consciousness-Movement. Er starb im August 1977 in Polizeigewahrsam an den Folgen der Folter während der Haft.
Als nun die Dokumentarin diesem Hinweis auf das Filmmaterial von Steve Biko nachgehen wollte, erzielte sie in den BR-Datenbanken keine Treffer. Steve Biko war nicht verschlagwortet! Erst als sie den Filmemacher recherchierte, entdeckte sie die gesuchten Aufnahmen von Biko. Der Filmemacher und Journalist Edmund Wolf hatte ihn für seine Dokumentation „Weiß in Südafrika“ interviewt – während eines geheimen Treffens, schließlich hatte Biko Hausarrest und durfte nur stark eingeschränkt Kontakt zu anderen Menschen aufnehmen. Das Interview fand 1977 kurz vor seinem Tod statt.

Beim Lesen des Recherche-Berichts fiel uns sofort unsere Audiokassette aus der Anti-Apartheid-Bewegung (AAB) ein, die wir vor einigen Jahren digitalisiert hatten. Auf ihr ist ein Interview mit Steve Biko zu hören, und beschriftet mit „given by Edmund Wolf“ und ebenfalls aus dem Jahr 1977. Wir nahmen Kontakt zu der BR-Dokumentarin auf und hatten eine spannende Korrespondenz, in der wir versuchten herauszufinden, ob unsere Kassette eine Audiospur des Interviews ist, das in der Reportage „Weiß in Südafrika“ gesendet wurde, oder ob sie darüber hinausgehende Inhalte vorweist.
Leider können wir nicht mehr rekonstruieren, auf welche Weise die Kassette in die AAB-Sammlung gelangt ist. Wahrscheinlich hat Edmund Wolf nach Bikos Tod die Audioaufnahmen an Gruppen gestreut, die gegen Apartheid gekämpft haben und so auch die AAB mit einem Exemplar bedacht.

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September 2022: Lasst 1004 Türme blühen

afas-Signatur: P2.1831

Das Plakat zeigt ein Foto von Dieter Schaarschmidt (Gorleben Archiv). Zu sehen ist der mit Transparenten der Anti-Atom-Bewegung geschmückte Turm des Hüttendorfes 1004 in Gorleben. Das Hüttendorf entstand im April 1980 auf der Tiefbohrstelle 1004, die von AtomkraftgegnerInnen besetzt wurde, um den dort geplanten Bau eines „Entsorgungsparks“ mit Atommüllendlager und Wiederaufbereitungsanlage (WAA) zu verhindern.

Am 3. Mai 1980 wurde die Republik Freies Wendland ausgerufen. Sie bestand 33 Tage. Bis zu 5.000 AktivistInnen versuchten dort eine selbstorganisierte, ökologische und basisdemokratische Utopie zu verwirklichen, bevor das Hüttendorf am 4. Juni 1980 von über 6.000 Bundesgrenzschutz- und PolizeibeamtInnen geräumt wurde.

Nach der Räumung und Zerstörung des Hüttendorfes konterten Anti-Atom-AktivistInnen: „Lasst 1004 Türme blühen. Turm und Dorf könnt Ihr zerstören, aber nicht unsere Kraft, die es schuf!“

Dank eines langen Atems behielten sie recht. Weder die WAA noch das Endlager konnten gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzt werden.

Wir danken Dieter Schaarschmidt und dem Gorleben Archiv e.V. für die freundliche Erlaubnis zur Dokumentation.

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August 2022: Comic Asterix und das Atomkraftwerk

afas-Sign.: 90.II.1982:42

Der Comic „Asterix und das Atomkraftwerk“ stammt aus dem Archiv des Umweltzentrum (UWZ) Münster, das 2011 vom afas übernommen wurde. Seine Geschichte liest sich wie ein Krimi:

Der Ehapa-Verlag, der u.a. die Asterix-Comics herausgibt, stellte in den 1980er Jahren Strafanzeigen gegen Unbekannt und beauftragte zu­dem Privatdetektive, die herausbekommen sollten, wer für den  „Asterix und das Atomkraftwerk“-Comic verantwortlich war. Dieser bereits seit 1978 in verschiedenen Versionen klandestin produzierte Comic aus der Anti-AKW-Bewegung verwendete Zeichnungen aus den Original-Asterix-Comics, allerdings versehen mit subversiven Texten gegen den „Brutus rapidus“ (gemeint ist der Schnelle Brüter in Kalkar). Auf Seite 3 ist zu lesen: „Wir befinden uns im Jahre … ja in welchem Jahr befinden wir uns denn? Das ist nicht immer so einfach festzustellen. Fest steht aber, daß das Land von den Mächtigen beherrscht wird. Das ganze Land? Nein, denn wo Unterdrückung herrscht, da gibt es auch Widerstand. Und davon handelt die Geschichte …“

Der Verkauf des in der linken Szene beliebten Comic kam der Arbeit der Bürgerinitiativen gegen Atomanlagen zugute. Im September 1980 wurde das UWZ nach den inkriminierten Comics durchsucht. Gefunden wurden nur wenige Exemplare. Gegen zwei Aktivistinnen wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Urheberrechtsgesetz eingeleitet. Eine Anekdote aus dieser Zeit erzählt, dass ein La­dengruppenmitglied während der Razzia auf seinem Stuhl saß, während seine Jacke über der Stuhllehne hing. Erst nachdem die Polizei nach der mehrstün­digen Durchsuchung abgezogen war, soll er aufgestanden sein und erleichtert aufgeatmet haben. Unter seinem Stuhl habe sich eine von der Polizei übersehene Kiste befunden, prall gefüllt mit „Asterix und das Atomkraftwerk“-Comics.

Zu sehen ist der Comic in der Ausstellung zum Sommertag der Duisburger Archive am 14.8.2022.

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Juli 2022: Schriftstücke des Bochumer Weiberrats

afas-Signatur: NLO.38:8

Die zwei Dokumente des Bochumer Weiberrats von 1970 stammen aus einer Materialsammlung des Bochumer Notstand-Archivs, die jetzt erschlossen wurde. Weiberräte entstanden ab 1968 im Milieu des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) einiger westdeutscher Universitätsstädte. Auch in Bochum trafen sich ab ca. 1969 Frauen, um untereinander Themen zu diskutieren und Aktionen zu planen, die in den zwar revolutionär gesinnten, aber im alltäglichen Miteinander männerbündisch und patriarchal agierenden Polit-Gruppen der Zeit ausgeblendet wurden. Unsere beiden Fundstücke sind ein hektografierter Brief von Sabine H. an die Genossinnen und ein Thesenpapier im Original. Letzteres trägt den Titel „Scheiß-Frauenfrage“ und wurde als Reaktion auf den Brief verfasst. So fragt Sabine H., „welche Beziehung eigentlich die vier Gruppen des Weiberrats (Emanzipationsgruppe, DDR-Gruppe, Frauenbetriebsgruppe, Erziehungsgruppe) zueinander haben“. Das Thesenpapier hingegen stellt klar: „Der Weiberrat sollte nicht feststellen, welche Beziehung die 4 Gruppen zueinander haben. Er soll feststellen, welche Beziehung der Weiberrat zur Gesamtbewegung hat und haben sollte“. Die Weiberräte waren in der Regel marxistisch orientiert und interessierten sich für den Klassenkampf. Die Fundstücke zeigen, dass auch der Bochumer Weiberrat Themen wie Kinderbetreuung, Diskriminierung und Sexualität in größeren, gesellschaftsanalytischen Kontexten verorten wollte. Zudem wird deutlich, dass Meinungsverschiedenheiten über den richtigen Weg nicht ausblieben.

Die Erschließung war durch die finanzielle Unterstützung der Kulturabteilung des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe (LWL) und der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur möglich.

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 Juni 2022: Flugblatt der Bürgerinitiative gegen Umweltgifte Duisburg-Nord

Unser Fundstück des Monats ist ein – sehr textintensives – Flugblatt der Bürgerinitiative gegen Umweltgifte Duisburg-Nord. Die Bürgerinitiative gründete sich 1988, zunächst unter dem Namen Bürgerinitiative gegen Giftmüllverbrennung, um gegen den Bau eines Entsorgungszentrums im Duisburger Norden (EZD) zu protestieren. Da die Luft bereits durch verschiedene Industrien stark belastet war, hielt man eine weitere emissionsausschüttende Anlage für nicht vertretbar. Die Bürgerinitiative stritt mit der Stadt Duisburg und der Industrie und informierte die AnwohnerInnen an Informations- und Diskussionsabenden, mit Flugblättern und offenen Briefen. Mitglieder der Bürgerinitiative und von ihr beauftragte Sachverständige und Rechtsbeistände nahmen an Erörterungsterminen im Rahmen des Genehmigungsverfahrens für das EZD teil. Es gelang der Bürgerinitiative zudem, zu einer Großdemonstration am 2.11.1991 in Duisburg-Marxloh ca. 3.000 Personen zu mobilisieren. Letzten Endes, nach ca. acht Jahren Protest, wurde 1995 beschlossen, das EZD nicht zu bauen.

Die Bürgerinitiative protestierte noch gegen einige weitere Um- oder Neubaupläne verschiedener Firmen in Duisburg. Dabei fasste sie insbesondere Projekte von Thyssen ins Auge, wie zum Beispiel den Neubau der Kokerei mit Nasslöschung und den Neubau des Hochofen 8.

Das Flugblatt stammt aus dem Nachlass von Michael Lefknecht, der Mitbegründer und lange Zeit auch Vorsitzender der Initiative war. Lefknecht war ein Arzt und Umweltmediziner aus Duisburg und in vielen Bürgerinitiativen aktiv, die für die Verbesserung der Lebensqualität und Gesundheit der Menschen, insbesondere im Duisburger-Norden, kämpften.

Der Nachlass von Michael Lefknecht ist mittlerweile komplett erschlossen und in unserem internen Katalog recherchierbar. Die Erschließung war durch die finanzielle Unterstützung des Landschaftsverbands Rheinland, des Landes Nordrhein-Westfalen und der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur möglich.

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Mai 2022: Plakat aus den Anfängen der Anti-AKW-Bewegung

afas-Signatur: P2.1843

Auf den ersten Blick ist unser Fundstück des Monats ein minimalistisch gestaltetes Plakat, auf den zweiten ein historisch wertvolles Dokument aus der Anti-Atomkraft-Bewegung.

Mit der Frage „Sollen wir auf dem Bauplatz des KKW bleiben?“ wurde 1975 zu einer öffentlichen Sitzung der Bürgerinitiativen in das Gasthaus Adler in Forchheim eingeladen. Das Kürzel KKW steht für „Kernkraftwerk“. Ähnlich wie „Entsorgungspark“ galt dieser Begriff in der der Anti-AKW-Bewegung später als euphemistisch, als verharmlosender Ausdruck für eine unkalkulierbar gefährliche Atomanlage.

Der Hintergrund des Plakates: Am Kaiserstuhl in Baden-Württemberg wollte die Atomindustrie in den 1970er Jahren das Atomkraftwerk Wyhl mit zwei Reaktorblöcken bauen. Dagegen begehrten große Teile der Bevölkerung auf.

Am 18. Februar 1975 wurde im Wyhler Wald eines der ersten Kapitel der Geschichte der Anti-Atomkraft-Bewegung in der Bundesrepublik geschrieben. An diesem Tag sollte mit dem Bau des AKW begonnen werden. Um das zu verhindern, stellten sich viele aufgebrachte Menschen und ganze Familien vor die Baumaschinen und brachten sie so zum Stillstand. Am 20. Februar 1975 räumte die Polizei den besetzten Bauplatz. Nach einer Großkundgebung am 23. Februar 1975 kam es zur zweiten Besetzung. Diese Bauplatzbesetzungen waren der Anfang von zahlreichen direkten gewaltfreien Aktionen der Anti-Atomkraft-Bewegung. Infolge der Massenproteste gegen das Atomkraftwerk Wyhl wurden die Bauarbeiten 1977 eingestellt. Ein Erfolg der Anti-Atomkraft-Bewegung. Es war das erste, aber nicht letzte AKW, dessen Bau durch diese neue soziale Bewegung gestoppt werden konnte.

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April 2022: Aufkleber: Kein Nazi-Aufmarsch

afas-Signaturen: OBJ.2.1552 – OBJ.2.1555

Unsere Fundstücke des Monats sind vier Aufkleber der Antifa Frankfurt aus dem Jahr 2002. Sie bewerben eine Demonstration gegen einen geplanten Naziaufmarsch in Frankfurt/M. am 1. Mai. Die Gestaltung der Aufkleber fällt dabei insbesondere ins Auge: Sie zeigen verschiedene Pokémons mit dem Leitspruch „Schnapp sie dir alle!“ und spielen so auf eines der beliebtesten Spiele aller Zeiten an. Durch den Bezug auf das Spiel und die TV-Serie richteten sich die Aufkleber auch an Jugendliche und es konnte vermutlich eine große Reichweite erzielt werden. Selbst im Jahr 2022 ist durch die Smartphone-Variante von PokémonGo noch der anfängliche Hype um die Pokémon-Saga zu spüren. Comic- bzw. Manga-Figuren als Gestaltungselemente waren um die 2000er in der Antifa-Szene populär.

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März 2022: Sandwich-Umhang der Fraueninitiative 6. Oktober

afas-Signatur: OBJ.6.52

Zum internationalen Frauenkampftag am 8. März präsentieren wir einen Umhang – vermutlich gefertigt aus einer Plastik-Tischdecke – mit den Aufschriften

                  „Es wird von uns kein neues Leben für eure schmutzigen Kriege geben“
               „Frauen tun’ was in der ganzen Welt, daß sie niemals in Schutt und Asche fällt“

Der Umhang ist eines von rund 30 unterschiedlichen Exemplaren, die Feministinnen der „Fraueninitiative 6. Oktober“ auf Kundgebungen und bei Aktionen in Bonn getragen haben. Die Fraueninitiative 6. Oktober gründete sich als Reaktion auf die Bundestagswahl 1980, bei der erneut äußerst wenige Frauen ins Parlament einzogen. Sie organisierte 1981 den ersten bundesweiten Frauenkongress, auf den viele weitere folgen sollten. Aus ihren Rundbriefen entwickelte sich außerdem bald die „Initiative Frauen-Presse-Agentur“, die bis zum Jahr 2000 einen frauenpolitischen Pressedienst herausgab.

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Januar 2022: Medico mental – das einzigartige Antirepressivum

afas-Signatur: OBJ.3.68

medico international leistet als Hilfs- und Menschenrechtsorganisation seit 1968 einen Beitrag zur Beseitigung der strukturellen Ursachen von Armut und Ausgrenzung. Insbesondere die Solidarität mit Marginalisierten im globalen Süden steht im Zentrum ihrer Arbeit.

Unser Fundstück des Monats Januar entstand als Beitrag von medico international zur Nord-Süd-Kampagne des Europarates und der Europäischen Gemeinschaft in den 1980er Jahren. Die Kampagne hatte es sich zum Ziel gemacht, die asymmetrischen Beziehungen zwischen dem Westen und den Ländern des globalen Südens zu beleuchten. Sie machte zum Beispiel auf den auch heute noch großen Einfluss der westlichen Pharmaindustrie aufmerksam, der in den „Entwicklungsländern“ durch Pestizide, Verschuldung oder unwirksame Medikamente Spuren an Mensch und Umwelt hinterlässt. Da viele Länder der sogenannten Dritten Welt nicht über eine eigene Arzneimittelproduktion verfügen, sind sie von den Produkten multinationaler Pharmakonzerne abhängig.

Das Objekt mit der Signatur OBJ.3.68 besteht, neben der als Medikamentenverpackung aufgemachten Schachtel, aus elf kleinformatigen und beidseitig bedruckten Kärtchen mit Titeln wie Durchfallerkrankungen, Pestizide, Arzneimittel, traditionelle Medizin und Verschuldungskrise. Sie informieren „über Gesundheit, Medizin und überflüssige Geschäfte mit falscher Medizin in der Dritten Welt“.

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