Fundstück des Monats

März 2026: Broschüre „Schöne neue Medienwelt?“

Unser Fundstück des Monats ist die Broschüre „Schöne neue Medienwelt?“ der Bürgerinitiative Stop Kabelfernsehen von 1982. Die Initiative war in den frühen 1980er Jahren in Dortmund aktiv und protestierte gegen die „etwa 100 Milliarden DM teure Vollverkabelung der Bundesrepublik“. Insbesondere wandte sie sich gegen ein Kabelpilotprojekt in Dortmund. Sie rief die Dortmunder*innen auf: „… lassen Sie sich auf keinen Fall anschließen!“
Dabei beschreibt sie eine Zukunftsvision für die 1990er Jahre: „In unserem Jahr 1994 ist natürlich Kabelfernsehen mit 68 Programmen, Informationsdiensten und Faksmiliedrucker längst eine Selbstverständlichkeit. Die letzten sieben Prozent Bundesbürger […], die noch unverkabelt sind, wurden gerade mit der Abschaffung des Postboten vertraut gemacht. Wer den Brief immer noch nicht über das heimische Telefax-Gerät beziehen will, dem bleibt ein nostalgisches Postfach bei einem der wenigen Zentralpostämter, die die Bundespost noch in den größeren Städten unterhält.“ Ganz so ist es ja nicht gekommen, jedoch kommt man der heutigen Realität schon etwas näher, wenn man Telefax-Gerät durch Email-Empfang ersetzt; auch gibt es eine Bundespost als staatliches Unternehmen schon lange nicht mehr und die Anzahl der Briefe hat sicherlich tatsächlich nachgelassen.
Neben satirischen und kritischen Ausblicken in die Zukunft, die insbesondere die drohende Vereinsamung des Menschen, Datenschutzprobleme („Mein Computer bringt mich um – Ein Datenschutzkrimi“) und möglichen starken Arbeitsplatzabbau durch die „Neuen Medien“ thematisieren, informiert die Broschüre über das geplante Kabelprojekt, dessen Hintergründe und über Meinungen aus Politik und Gesellschaft.

Die flächendeckende Verlegung von Breitbandkabeln sollte damals ein breiteres Fernsehangebot neben den bisherigen Öffentlichen-Rechtlichen Sendern ermöglichen. In Pilotprojekten Anfang der 1980er Jahre wurden mehrere Städte, darunter Dortmund, verkabelt und die ersten Privatsender starteten ihr Programm. Zu den in der Broschüre befürchteten 68 Programmen sind in der Zwischenzeit noch weit mehr hinzugekommen. Heute  ist wiederum das Kabelfernsehen durch das Internet sowie Streaming-Dienste überholt worden, und der technische Fortschritt noch viel weiter, als die Macher*innen der Broschüre es sich damals vorstellen konnten.

Wir haben im afas einige weitere Broschüren zum Thema, sowie drei Ordner der Dortmunder Bürgerinitiative Stop Kabelfernsehen im Bestand des Umweltzentrum-Archiv Münster.


Februar 2026: Papier zum Thekendienst im Jugendzentrum Eschhaus

Unser Fundstück des Monats ist ein Papier, in dem um 1975/1976 die Aufgaben des Thekendienstes im Café des damals noch ganz jungen „Eschhaus“ in der Duisburger Niederstraße festgehalten wurden.
Das Papier zeugt von einem unerwartet strengen Regiment – das vermutlich aus den Erfahrungen des gemeinschaftlichen Organisierens eines selbstverwalteten, unabhängigen Jugendzentrums erwachsen war.
Was den Verfasser*innen besonders wichtig erschien, ist an den Hervorhebungen zu erkennen: Den Schlüssel zum Beispiel sollen die Thekendienste „NUR AN VERTRAUENSWÜRDIGE PERSONEN ABGEBEN!!!!!“. Die Finanzen mussten die Barkeeperinnen auch im Hinterkopf haben, denn Anschreiben war nicht: „Keine Deckel machen oder Getränke verschenken, wenn jemand pleite ist!!!“ Und wenn es doch mal Ärger gab: „BEI SCHLAEGER- UND DEALEREIEN RAUSWERFEN; BEI SCHWIERIGKEITEN POLIZEI ANRUFEN“.

Das Eschhaus gab es von 1974 bis 1987. Es war eines der ersten beiden soziokulturellen Zentren Deutschlands. Im monatlichen „Eschhaus-Heft“ wurde nicht nur das musikalische, kulturelle oder politische Programm abgedruckt, sondern auch literarische Texte oder szenepolitische Diskussionsbeiträge. Nach der Schließung des Eschhaus sollte es Jahrzehnte dauern, bis es wieder möglich wurde, ein Soziokulturelles Zentrum zu etablieren.


Januar 2026: Broschüren der Föderation der Iranischen Studenten in der BRD und Westberlin (FIS)

Unsere Fundstücke des Monats im Januar sind anlässlich der aktuellen Proteste im Iran drei Broschüren der Föderation der Iranischen Studenten in der BRD und Westberlin (FIS) aus den 1970er Jahren.
Die Broschüren berichten von der Situation im berüchtigten Evin-Gefängnis des Schah-Regimes und der dort stattfinden Folter (90.II.1972:20). Sie thematisieren die Aktivitäten des iranischen Geheimdienstes SAVAK in Deutschland – und seiner Unterstützung durch den Verfassungsschutz (90.II.1977:59). Außerdem geben sie Aufschluss über die Spaltungslinien innerhalb der Opposition – in Deutschland, wie im Iran – bzw. der Conföderation Iranischer Studenten – National Union (CISNU) (90.II.1975:17).

Sie werfen ein Schlaglicht auf die breiten Aktivitäten der linken iranischen Opposition gegen das Schah-Regime in der Diaspora in Deutschland während der gesamten 60er und 70er Jahre – wovon den meisten die Proteste gegen den Schah-Besuch am 2. Juni 1967 mit den tödlichen Schüssen auf Benno Ohnesorg bekannt sind.
Die Broschüren zeigen aber auch, wie komplex sich die Geschichte migrantischer Kämpfe in Deutschland vor dem Hintergrund des jeweils aktuellen Weltgeschehens darstellt.
Denn bekanntlich war es nicht die linke Opposition, die sich nach der Absetzung des Schahs durchgesetzt hat: Mit der ‚Islamischen Revolution‘ kam ab 1979 die reaktionäre Geistlichkeit um Chomeini an die Macht, die die linke Opposition noch härter bekämpfte.


2025

Januar 2025: Plakat Feministische Winteruniversität
Februar 2025: SchülerInnenzeitung auf Bottropisch
März 2025: Fotos zur Anti-Reagan-Demo im Juni 1982
April 2025: Flugblatt zur Hausbesetzung Peterstal Nr. 10 + 12
Mai 2025: Plakate zum 8. Mai
Juni/Juli 2025: Plakat: The Dyke Manifesto
August 2025: Aufkleber vom Platzhirschfestival
September 2025: Kleinarchivalie zur Fabrik Duisburg
Oktober 2025: Femory
November 2025: Foto aus den ersten afas-Jahren
Dezember 2025: Button aus dem Bestand des Deutschen Vegetarierbundes


Dezember 2025: Button aus dem Bestand des Deutschen Vegetarierbundes

Das Fundstück für den Monat Dezember ist gleichzeitig ein kleiner Gruß zum Jahresende: Der Button stammt aus dem Bestand des Vegetarierbundes (VEBU) und ist einer von über 600 in unserer Sammlung. Er erinnert daran, dass ein Festschmaus auch vegetarisch sein kann – zum Wohl der Tiere und zur Schonung des Klimas.
Allen wünschen wir schöne Feiertage und einen guten Start ins Jahr 2026!


November 2025: Foto aus den ersten afas-Jahren

Das afas ist in diesem Jahr 40 Jahre alt geworden. Bei Jubiläen wird traditionell auch in die Mottenkiste gegriffen: Wir haben für unsere Broschüre „40 Jahre afas – Zwischen Bewegung und Bewahrung“ alte Fotos ausgegraben, uns in Gründungsdokumente vertieft und ein Interview mit den Altvorderen gemacht. Gefunden haben wir auch dieses Foto aus den ersten Jahren des afas. Zu sehen sind zwei Gründungsmitglieder, davon eines rauchend, am übervollen Tisch im ersten Raum, den das afas damals im Kultur- und Freizeitzentrum Rheinhausen angemietet hatte. Das Rauchen war im Archiv schon bald strengstens verboten, aber die Papierberge blieben und sind zu einem heute 2.5 Regalkilometer großen Bestand angewachsen.

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Oktober 2025: Femory

afas Sign.: OBJ.3.31

Unser Fundstück des Monats ist – wieder passend zur jährlichen Spielemesse in Essen – das Spiel „Femory“. Dieses wurde zusammen von Margit Hauser vom Stichwort-Archiv in Wien und Rita Kronauer vom feministischen Archiv ausZeiten in Bochum 2013 entwickelt. Es handelt sich dabei um eine Variante des bekannten Memory und beinhaltet 32 Spielkartenpaare auf denen feministische Symbole aus über vier Jahrzehnten abgedruckt sind, insbesondere das bekannte Venussymbol in verschiedensten Varianten. Bestandteil des Spiels ist auch eine kleine Broschüre die über die auf den Spielkarten abgebildeten Symbole und ihre Herkunft genauer informiert. So waren sie z.B. auf Buttons, Aufklebern oder auch Zeitschriftencovern zu finden.

Die Intention des Spiels beschreiben die Erfinderinnen so: „Dieses Spiel trainiert das feministische Gedächtnis und bringt runde vierzig Jahre Feminismus in Form verschiedener Frauen- und Lesbenzeichen auf den Tisch. Diese sind seit den späten sechziger Jahren in der autonomen Frauenbewegung und Lesbenbewegung präsent… Die Veränderungen in den Zeichen und unendlichen Variationen, die im Laufe der Zeit entstanden, erzählen von den Veränderungen in den feministischen Bewegungen. Das Spiel will dazu anregen, genau hinzusehen, feministische Symbole auch in der Gegenwart zu entdecken und natürlich dazu, sie weiter zu verwenden.“

Mehr zum Spiel gibt es auf der Seite des ausZeiten-Archivs.

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September 2025: Kleinarchivalie zur Fabrik Duisburg

afas Sign.: KLA.304

Unser Fundstück des Monats September ist eine Kleinarchivalie zum Kulturzentrum Fabrik. Auf einem Hinterhof zwischen Grabenstraße und Mülheimer Straße in Duisburg-Neudorf fanden hier zwischen 1979 und 2003 Konzerte und politische Veranstaltungen statt. Damit war die Fabrik ein wichtiger Ort Duisburger Subkultur und linker Politik in dieser Zeit.

Die Dokumente stammen aus der Anfangszeit der Fabrik, damals noch deutlich im DKP-Umfeld zu verorten, wovon Aktivitäten im Rahmen der Friedensdemonstrationen Anfang der 1980er und Internationalismus-Veranstaltungen ebenso zeugen wie Konzerte von politischen Liedermachern. Daneben gab es Partys, Filme und Kabarett. Neben Programmen und Flugblättern zu einzelnen Veranstaltungen finden sich auch Protokolle von Mitglieder-Versammlungen und weitere Interna in der Kleinarchivalie.
Der Generationenwechsel wollte zunächst nicht so recht gelingen, aber als 1987 das Eschhaus dicht machte und 1990 der Neumühler Bahnhof geräumt wurde, kam ein Schwung neuer Aktivist:innen in die Fabrik – und veranstaltete fortan zahlreiche Punk-Konzerte.

In den 1990ern traf sich hier die Antifa Duisburg und der Infoladen Zündstoff öffnete regelmäßig.
Die Spaltung der Antifa-Bewegung Ende der 1990er machte sich in der Fabrik deutlich bemerkbar, aber auch die beginnende Anti-Globalisierungs-Bewegung mit dem G8-Gipfel in Genua 2001 fand hier ihren Niederschlag. GEMA-Gebühren und die Folgen eines Hip-Hop-Konzertes mit Tags an den Wänden der Nachbar:innen stellten dann eine enorme finanzielle Herausforderung dar.

Das Ende kam mit den Erben des sehr wohlwollenden, langjährigen Vermieters. Die Konzertgruppen gingen danach ins Exil – ins Druckluft in Oberhausen bzw. ins AZ in Mülheim/Ruhr.

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August 2025: Aufkleber vom Platzhirschfestival

afas Sign.: OBJ.2.1036

Unser Fundstück des Monats August zeigt einen Aufkleber vom Platzhirschfestival 2017 sowie die aktuellen Flyer und das Programm für das diesjährige Festival am 5. und 6. September. Bereits seit 2013 findet das Musik- und Kulturfestival am und um den Dellplatz in Duisburg statt. Es hat sich zur Aufgabe gemacht die oftmals existierende Schwelle zu Kunst und Kultur abzubauen und mit dem Konzept von „umsonst drinnen & draußen“ möglichst vielen Menschen Zugang zu Kultur zu verschaffen.

Im Rahmen des diesjährigen Platzhirschs wird es auch eine Ausstellung zu subkulturellen Räumen in Duisburg geben: „Von Orten und Standpunkten – Subkultur in Duisburg“ zeigt die Duisburger (Sub)Kultur verschiedener Lokalitäten und ehemaliger Orte wie das Eschhaus, die Fabrik oder das Djäzz anhand von Flyern, Plakaten, Zeitschriften, Programmheften oder Fotos. In Zusammenarbeit mit dem Festival konnten wir für die Ausstellung einige Materialien zum Eschhaus oder der Fabrik aus unseren Beständen bereitstellen.
Neben Workshops, Theater und Musikacts wird es beim Platzhirschfestival auch einen Infostand vom afas geben. Vorbeikommen lohnt sich also!

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Juni/Juli 2025: Plakat: The Dyke Manifesto

afas Sign.: P1.1587

Unser Fundstück der Monate Juni und Juli bezieht sich auf den Pride-Month und zeigt das „Dyke Manifesto“. Es stammt aus dem Bestand des Internationalen Frauen-Friedensarchivs (IFFA), der derzeit erschlossen wird.

Im Juni 1969 gipfelten die fortwährenden staatlichen Repressionen gegenüber anderen Sexualitäten jenseits von Heterosexualität in Proteste: Eine Razzia im Schwulen-Club „Stonewall-Inn“ in New York mündete in Schlägereien mit der Polizei sowie in Verhaftungen. Die Proteste hielten einige Tage an, sie sind heute bekannt als Stonewall-Riots. Seither wird der Monat Juni als Pride Month begangen, um queere Identitäten sichtbar zu machen und auf die Repressionen hinzuweisen, die queere Menschen weltweit auch heute noch erleben.

Das Plakat von 1994 thematisiert die Anfeindungen und Benachteiligungen besonders eindringlich: Es versammelt verschiedene Berichte lesbischer Dykes in den USA. Nicht nur erfuhren sie Diskriminierung durch den Staat, sondern auch durch religiöse Fundamentalist:innen, die z.T. hunderttausende von Dollar für ihre konservative und queerfeindliche Politik bereitstellten. Die Einflussnahmen der christlichen Rechten betrafen die gesamte Gesellschaft in den USA: Sie arbeiteten beispielsweise verdeckt in Schulgremien, um queerpolitische Themen aus den Schulen fernzuhalten. Seit 1994 hat sich in dieser Hinsicht kaum etwas verändert, christlich-fundamentalistische Gruppierungen prägen den politischen und gesellschaftlichen Diskurs der USA zunehmend.

Der Begriff Dyke war ursprünglich eine abwertende Bezeichnung für männlich oder androgyn gelesene lesbische Frauen. Die Dyke-Community eignete sich den Begriff jedoch selbst an. Er fungiert heute als identitätsstiftender Begriff, der die eigene Sexualität und die Kämpfe, die immer noch damit verbunden sind, zum Ausdruck bringt: „Hey you pervert, freak, bulldagger, unfit, sicko, lesbian, bitch! Upstanding, family-valued, god-fearing america wants you gone. The Christian Right is on our homosexual heels and it’s time we started kicking. Out is not enough. […] 1000’s of angry dykes can’t be wrong – and won’t give in. Ever.“

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Mai 2025: Plakate zum 8. Mai

Das Fundstück des Monats dreht sich dieses Mal ganz um den 8. Mai 1945, dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa vor genau 80 Jahren. Vier Plakate zeigen über die Jahrzehnte hinweg unterschiedliche Themenschwerpunkte zu den runden Jahrestagen 30 bis 60 Jahre nach dieser historischen Zäsur.

Während 1975 Frieden im Vordergrund steht, werden 1985 mit dem Schwur von Buchenwald Krieg und Faschismus thematisiert. Das Schlagwort der Befreiung findet sich auf allen 4 Plakaten, steht 1995 aber im Zentrum. Dies ist auch 2005 so, zumal in diesem Jahr gegen einen geplanten Nazi-Aufmarsch mobilisiert wurde.

Natürlich sind diese 4 Schlaglichter nicht repräsentativ, vor allem da sie aus ganz unterschiedlichen Spektren stammen: Dass die Deutsche Friedensunion diesen ihren namensgebenden Aspekt in den Vordergrund stellt, scheint wenig überraschend. Und auch die jeweilige Weltlage spielt hier natürlich eine Rolle: Dass sich ein undogmatisch-linksradikales Bündnis mit rotem Stern und dem russischen Wort für danke, so explizit auf die Siegermacht Sowjetunion bezieht, wäre wohl weder vor 1989 noch nach dem 22. Februar 2022 und dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine möglich gewesen.

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April 2025: Flugblatt zur Hausbesetzung Peterstal Nr. 10 + 12  

Zurzeit recherchiert bei uns einer der Organisatoren für das Projekt „Von Orten und Standpunkten“ im Rahmen des diesjährigen Platzhirsch-Festivals.

Hierfür sucht er nach verlorenen oder noch bestehenden Orten der Subkultur in Duisburg und nutzt neben allerlei lokalen und regionalen Zeitschriften auch unsere umfangreiche Flugblattsammlung: Über 50.000 Flugblätter sind hier zu finden! Sortiert sind sie nach Erscheinungsort oder Bundesland und innerhalb der Orte chronologisch. Unter den Duisburger Flugblättern fand sich unser Fundstück zu einer Hausbesetzung, die sich vermutlich auf das Jahr 1981 datieren lässt. Es ist für uns insbesondere deswegen interessant, da es sich bei den besetzten Häusern um Nachbargebäude unseres Domizils hier in der Duisburger Stadtmitte handelt!

In den 1980er Jahren wollte C&A ein größeres Gebäude bauen, dafür sollten auch 200 neue Parkplätze errichtet werden. Für diese Parkplätze sollten zwei Gebäude an der Straße Peterstal, neben dem – noch heute bestehenden – Parkhaus an der Münzstraße weichen. Die Flugblatt-MacherInnen sehen dies als Bestandteil eines “Neuordnungs-Planes für den Innenstadt-Bereich“: „Dadurch wird die Innenstadt noch weitgehender entvölkert (durch Wohnraumzerstörung) … In der City soll nur noch konsumiert werden!“
Sie fordern den „Erhalt der Häuser Peterstal Nr. 10 und 12“, eine „grundlegende Auseinandersetzung der Stadt mit dem Wohnungs-Problem in Duisburg“ und auch die „Einwirkung der Stadt auf die ‚DB‘ – Mietvertrag für den Neumühler Bhf.!“ Der Neumühler Bahnhof war zu dieser Zeit nämlich ebenfalls besetzt um Wohnraum sowie Raum für Veranstaltungen und einen Treffpunkt für Initiativen zu schaffen.

Im afas gibt es auch Fotos von einer Demonstration gegen Häuserleerstand Anfang 1981 in Duisburg. Auf den Fotos ist zu sehen, dass der Demo-Zug an „unserem“ Gebäude, also der Münzstraße 37-43, vorbeiführt. Vermutlich ging es bei der Demo auch um die Häuser Peterstal 10 und 11. Weitere Informationen zur Dauer der Besetzung haben wir nicht – falls jemand Infos hat, meldet Euch gern!

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März 2025: Fotos zur Anti-Reagan-Demo im Juni 1982

Noch ohne Signatur, Quelle: afas, Urheber: H. G. Poersch-Panke

Beim Aufräumen der Schreibtischablage tauchte das Überbleibsel einer Sammlung zur Essener Alternativszene auf: ein Umschlag mit wunderbaren schwarz-weiß Fotos zur Hausbesetzung in der Essener Segerothstraße 118 im Jahr 1981. Glücklicherweise waren ein paar Buchstaben auf die Rückseite der Bilder gekritzelt – vielleicht das Kürzel des Fotografen? Mit einigem detektivischem Geschick konnte – über 40 Jahre nach Entstehen der Bilder – der Kontakt zum Fotografen über eine Bigband im Heidekreis hergestellt werden, in der er heute musiziert. Es stellte sich heraus, dass Hans-Günter Poersch-Panke ab Ende der 1970er Jahre zahlreiche Demonstrationen und Protestaktionen mit seiner Kamera begleitete. Diese rund 1.300 Fotos übergab er kürzlich dem afas, so dass wir nun eine einzigartige Sammlung erfassen dürfen, deren Fotos nicht nur inhaltlich spannend, sondern auch wahnsinnig gut gemacht sind. Sie zeigen alles, was das Bewegungsarchiveherz höher schlagen lässt: die lokale politische und alternativkulturelle Szene Duisburgs, Moers, Krefelds und Essens, die kardinalen Ereignisse der damaligen Protestbewegungen, wie Anti-AKW-Proteste in Brokdorf und Kalkar oder die Großdemos in Bonn.

Aber auch in Berlin hat unser Fotograf sich umgetan. Beispielsweise mit einer Fotostrecke über die Demonstration gegen den Reagan-Besuch am 11. Juni 1982 in Westberlin, wo der damalige US-Präsident während seiner 10-tägigen Europareise Station machte. Reagan stand in der Linken vor allem wegen seiner Aufrüstungspolitik in der Kritik. Der Berliner Senat verhängte ein stadtweites Demo-Verbot für den 11. Juni, doch die Mobilisierung war bereits gelaufen und die Demonstrant*innen erschienen nichtsdestotrotz in Schöneberg. Wegen des rigiden Vorgehens der Polizei und eines ausdauernden Kessels am Nollendorfplatz geriet die Demonstration zu einer der konfrontativsten Straßenschlachten der Zeit. Auf unseren Fundstücken des Monats ist auch das „Danach“ abgelichtet: Pflastersteine und entglaste Telefonzellen.

Aus der Sammlung werden wir künftig weitere Fotos und Fotostrecken vorstellen.

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Februar 2025: SchülerInnenzeitung auf Bottropisch

Unser Fundstück des Monats Februar ist die Ausgabe Nr. 12 der SchülerInnen-Zeitschrift „Almanach“ von 1981 (Sign. 7.VII.1). Herausgegeben wurde sie von SchülerInnen einer siebten Klasse des Josef-Albers-Gymnasiums in Bottrop und informiert über die Mundart „Bottropisch“, die zur Alltagssprache im Ruhrgebiet gehört. Viele Worte, die wir vielleicht heute beiläufig im Ruhrgebiet benutzen oder noch von den Großeltern kennen, werden in der besagten Ausgabe als Lexikon zusammengestellt. Insgesamt tausend Wörter wie beömmeln, Döspaddel, Rotzfahne, Schickimicki oder Trallafitti, werden von den SchülerInnen beschrieben und erklärt.
Motivation für das Thema der vorliegenden Ausgabe war, dass das Erlernen von Hochdeutsch in der Schule meist mit einer Abwertung ihrer Alltagssprache einhergehe. Neben Erklärungen von verschiedenen Sprüchen wie „Auf den Keks gehen“ oder „Ne Flatter machen“ wird auch eine Anleitung mit 12 Regeln zur Grammatik geliefert, die den Nicht-RuhrpottlerInnen die Mundart näher bringen sollen. Jedoch stellen die SchülerInnen schlussendlich fest: „Ruhrgebietssprache kann man nicht lernen, man hat sie eben. Ruhrgebietssprache kann man aber auch nicht ‚bewusst‘ sprechen.“ (S. 6)

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Januar 2025: Plakat Feministische Winteruniversität

afas Sign. P2.2221

Unser Fundstück des Monats ist diesmal ein Veranstaltungsplakat der 1. Feministischen Winteruniversität in Bochum im Jahr 1999. Die einwöchige Veranstaltungsreihe versammelte sowohl namhafte WissenschaftlerInnen der Frauen- und Geschlechterforschung als auch AktivistInnen und Organisationen der Frauenbewegung. Gemeinsam veranstaltet von Universität und studentischer Selbstorganisierung stellt die Veranstaltung auch eine Schnittstelle von Bewegung und Wissenschaft dar. Eine Funktion, die wir auch als Freies Archiv zwischen Sozialer Bewegung und der Bewahrung ihrer Hinterlassenschaften erfüllen. Und das übrigens in diesem Jahr seit 40 Jahren!

Das Plakat ist auch deshalb interessant, weil seine Aufnahme ins Archiv einen Einblick in unsere tägliche Arbeit bietet: Zum einen entstammt es der Sammlung des Internationalen Frauen-Friedens-Archivs Fasia Jansen (IFFA), das wir derzeit erschließen. Als Plakat repräsentiert es außerdem eine Materialart, die hier zu tausenden vorkommt, da es ein klassisches Medium von Gegenöffentlichkeit darstellt. Und darüber hinaus verweist es auch auf das Geschichtsbewusstsein der Bewegungen selbst: Dass es sich bei der abgebildeten Frau doch sicher um eine wichtige Persönlichkeit der Frauenbewegung handeln musste, war unserem Mitarbeiter also klar – aber wer ist es?


Dass er Clara Zetkin nicht erkannt hat, lag wohl auch daran, dass etwas auf dem Bild fehlte … Bald brachte ein heißer Tipp Licht ins Dunkel: Natürlich fehlte Rosa Luxemburg, die im Jahr 1910 eingehakt neben Clara Zetkin auf dem Weg zum SPD-Parteitag herläuft. Mit diesem berühmten Bild der beiden im Hinterkopf fällt dann der Blick auf das Händchen Rosa Luxemburgs, das auf dem Plakat nicht wegretuschiert wurde.
Unsere Suche nach der „unbekannten Frau“ zeigt, wie hilfreich unser Hintergrundwissen bei der täglichen Archivarbeit ist. Und es zeigt auch, wie wichtig ein Bewegungsgedächtnis – nicht nur in der Frauenbewegung und -forschung – ist. Sondern auch wenn es darum geht, die Errungenschaften von Emanzipation, Freiheit und Gerechtigkeit zu bewahren und verteidigen.

P.S.: Wie bekannt das besagte Foto ist, lässt sich auch daran erkennen, dass es bei einem unserer letzten Fundstücke bereits im Hintergrund zu sehen ist. Findet ihr es?

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